Der aktuelle Guckkasten: Krankenhäuser, Ärzte und Hebammen 1920-1960

Der aktuelle Guckkasten – dies ist eine neue Form der Ausstellungspräsentation im Historischen Museum Bremerhaven. "Kurz und bündig auf den Punkt gebracht", beschreibt Museumsdirektor Dr. Alfred Kube das Konzept der Ausstellung. Eine große Einbauvitrine im Obergeschoss des Museums bietet den Rahmen für das jeweilige Thema. Mit Schautafeln, thematischer Gliederung, Exponaten mit Objektbeschriftungen, Fotos und Dokumenten bietet der aktuelle Guckkasten alle Elemente einer thematischen Ausstellung auf kleinstem Raum. Der "aktuelle Guckkasten" soll zukünftig eine regelmäßige Einrichtung des Museums werden und in lockerer Form immer neue Themen anbieten.

Die erste Ausstellung dieser Art gibt einen Einblick in den Arbeitsalltag von Hausärzten, Hebammen und in Krankenhäuser in Bremerhaven vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre. Medizinische Geräte, Dokumente und Fotos veranschaulichen die Geschichte des Gesundheitswesens zu einer Zeit, als Einwegspritzen unbekannt waren und die Hebamme noch mit dem Fahrrad zur Geburt eilte. Scheren, chirurgische Instrumente, Spritzen und Ampullen glänzen aus Chrom und Glas – Materialien, die in der modernen Medizin weitgehend von Kunststoff ersetzt werden.

Zwar waren Ärzte und Krankenhäuser in Bremerhaven seit den 1920er Jahren auf dem neuesten Stand der Medizintechnik. Im Vergleich zu heute war dieser aber äußerst bescheiden, wie auf alten Fotos aus dem Archiv des Museums zu sehen ist. Eindrucksvoll verdeutlichen auch eine Anzahl unterschiedlicher Spritzenbestecke die positive Entwicklung in der Medizintechnik. "Die Mehrwegspritzen aus Metall und Glas wurden zwar nach Gebrauch gereinigt und desinfiziert, dennoch kam es immer wieder zu Infektionen, verursacht durch unsaubere Spritzen", weis Pia Dekorsy, Historikerin am Museum, die die Ausstellung zusammengestellt hat.

Ein besonders wertvolles Ausstellungsstück ist ein Exemplar des Injektionsbestecks "Sterilofix". Die patentierte Erfindung des Bremerhavener Arztes Dr. Heinrich Wietfeldt aus dem Jahr 1922 stellte eine Verbesserung des üblichen Spritzenetuis dar. Die Ausstellung zeigt das Injektionsbesteck zusammen mit der Patenturkunde und Werbeprospekten.

Auch das Thema Geburtshilfe ist vertreten. Der vollständige Koffer einer Hebamme, die in Bremerhaven tätig war, dokumentiert die Zeit, als die meisten Kinder zu Hause zur Welt kamen. Bei komplizierten Geburten wurden die Geräte des "Geburtshilflichen Instrumentariums" eingesetzt. Die Instrumente stammen aus einer Bremerhavener Arztpraxis aus den 1920er Jahren. Für das Historische Museum Bremerhaven stellt es einen Glücksfall dar, die ärztliche Geburtshilfe der Hebammenkunst nahezu komplett dokumentieren zu können.

Die Ausstellung kam durch eine Reihe von Schenkungen aus dem medizinischen Bereich zustande. Der Bremerhavener Arzt Dr. Manfred Anderson, der sich sehr für die Geschichte der Medizintechnik interessiert, stiftete dem Museum seine umfangreiche Sammlung an alten Instrumenten. Auch die Station 10b des Zentralkrankenhauses in Reinkenheide wollte sich von einigen Altlasten trennen: "Die Geräte sind so antiquiert, die wurden hier schon lange nicht mehr benutzt", teilte die Ärztin Dr. Iris Gerlach mit und freute sich, ein altes Blutdruckmessgerät und einen Inhalator an das Museum abgeben zu können.

Um den medizinischen Sammlungsbereich zu ergänzen, ist das Historische Museum Bremerhaven an weiteren Exponaten aus dem Gesundheitswesen aus Bremerhaven und Umgebung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ca. 1960 interessiert. Beispielsweise sucht Pia Dekorsy noch eine alte Schwesterntracht mit Haube, ein Stethoskop oder ein Amputationsbesteck. Wer also noch Arbeitskleidung, medizinische Geräte oder Fotos zu diesem Thema stiften möchte, kann sich an das Historische Museum Bremerhaven (Tel. 0471/20138) wenden.

Die Ausstellung ist ab sofort täglich außer montags von 10 – 18 Uhr im Historischen Museum Bremerhaven zu sehen.